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Der Denkort Bunker Valentin – ein Ort der Erinnerung und des Innehaltens

Als Dokumentations- und Erinnerungsort bietet der Denkort Bunker Valentin Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, sich mit dem Verbrechen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und dieses im Hinblick auf die Bedeutung für die heutige Zeit zu reflektieren. Nach einem Rundgang durch den U-Boot-Bunker und über das Außengelände der ehemaligen U-Boot-Werft „Bunker Valentin“ wurden angehenden Sozialversicherungsfachangestellten in einer Ausstellung tiefergehende Informationen zur Geschichte des Bunkers vermittelt.

  • Rundgang Bunker Valentin
    Bild 1: Rundgang Bunker Valentin – Außengelände
  • Das Innere des Bunkers
    Bild 2: Das Innere des Bunkers
  • Bunker Valention – Informationszentrum
    Bild 3: Informationszentrum
  • Klassenfoto SV 21-2
    Bild 4: Die Klasse SV 21-2 beim Denkort Bunker Valentin
  • Raketeneinschlag Bunker Valentin
    Bild 5: Einschlag einer alliierten Rakete
  • Informationstafel Bunker Valentin
    Informationstafel Bunker Valentin


Exkursion zum Denkort

Am 22.11.2022 besuchte die Klasse SV 21-2 (Sozialversicherungsfachangestellte im 2. Ausbildungsjahr) im Rahmen des Politikunterrichts die ehemalige U-Boot-Werft „Bunker Valentin“ in Bremen-Rekum. Begleitet wurden sie von ihrer Lehrkraft Herrn Moustafa Abbas. Insgesamt nahmen 22 interessierte Schüler:innen an der Exkursion teil. Die Auseinandersetzung mit dem Verbrechen des Nationalsozialismus und dieses im Hinblick auf die Bedeutung für die heutige Zeit zu reflektieren, war das Ziel der Exkursion. Die Exkursion erfolgte in Form eines dreistündigen Seminars mit pädagogischer Begleitung. Zu Beginn des Seminars wurde gemeinsam über die Geschichte und Hintergründe des Bunkerbaus gesprochen und diskutiert. Der Austausch diente gleichzeitig als Vorbereitung für den darauffolgenden Rundgang durch das Bunkergelände. Während des Rundgangs wurden sowohl das äußere Gelände (Bild 1) als auch das Innere des U-Boot-Bunkers (Bild 2) besichtigt.

Entlang des Rundgangs informierten an diversen Standorten Fotos, Zitate und Texte über die Geschichte des Bunkers. Abgerundet wurde der Rundgang durch eine Ausstellung im Informationszentrum, die tiefergehende Informationen zur Geschichte des Bunkers lieferte (Bild 3). Im Informationszentrum stand zudem eine Q&A-Session auf dem Plan, bei der die Fragen der Schüler:innen diskutiert wurden. Zum Ende der Exkursion ging es zurück ins Seminargebäude. Im Seminarraum wurden anschließend vertiefende Kurzfilme mit Zeitzeugen gezeigt, die ihre persönlichen Erlebnisse im Bunker schilderten. Der Vormittag wurde mit einer Reflexion über den Ausflug beendet.

Insgesamt wurde die Exkursion seitens der Schüler:innen sehr positiv wahrgenommen. Einige Schüler:innen haben ihre Eindrücke mit folgenden Zitaten zum Ausdruck gebracht:

  • „Schaurig, eindrucksvoll und informativ. Ein gelungener Ausflug bei dem man einiges mit nach Hause nehmen konnte.“ (A. Jecker 2022).
  • „Am beeindruckendsten war für mich definitiv, wie einem vor Augen geführt wurde, dass viele Aspekte der negativen deutschen Geschichte gar nicht in so weiter Ferne passiert sind, wie ich ursprünglich dachte. Auch in Bremen und direkter Umgebung wurden diese Gräueltaten verübt. Entsprechend ist und war die Gefahr rechten Gedankenguts allgegenwärtig.“ (B. Zimmermann 2022).
  • „Eine emotionale Aufarbeitung der Grausamkeit aus dem Dritten Reich.“ (M. Arndt 2022).


Ein historischer Exkurs

Was sich zunächst nach einem weit entfernten krankhaften Überbleibsel nationalsozialistischer Verbrechen anhört, ist doch ganz nah an uns Bremer:innen dran. Im heutigen Bremer Ortsteil Rekum – ehemals Farge-Rekum – steht an der Weser eines der größten Rüstungsprojekte des nationalsozialistischen Deutschlands. Dieser monströse Schandfleck ist mit 35.000 Quadratmeter der größte freistehende Bunker in Deutschland und wurde in der Zeit zwischen 1943 und 1945 unter massivem Einsatz von rund 10.000 Zwangsarbeiter:innen, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen aus ganz Europa errichtet. Mehr als 1.400 von ihnen kamen bei den Bauarbeiten durch Unterernährung, Krankheit, Misshandlung sowie willkürliche Ermordung zu Tode. Die damalige Idee zur Errichtung des Bunkers entstand infolge der zunehmenden Lufthoheit sowie besseren Aufklärung der Alliierten, welche vermehrt zu zielgenaueren Angriffen auf die deutsche Rüstungsindustrie führte.

Ein Bunker, dessen Dach aus Dutzenden von dicken Stahlbetonplatten bestand, wurde konstruiert, um die Produktion der deutschen Rüstungsindustrie vor Bombardements und Fliegerangriffen durch die Alliierten zu schützen. Ziel war es, unter dem schützenden Dach des Bunkers, die neue U-Boot-Klasse XXI in Fließbandproduktion herzustellen. Die ausgefertigten U-Boote sollten schließlich – so die Idee – aus der rückseitigen Schleuse des Bunkers in die Weser und weiter in den Atlantik gleiten, um den Nachschub der Alliierten im Atlantik abzuschneiden. Mit dieser Strategie erhoffte sich das damalige nationalsozialistische Deutschland dem längst verlorenen Krieg noch die entscheidende Wende zu geben. Glücklicherweise ist es nie zur Verwirklichung dieses Großprojektes gekommen, denn die Alliierten waren über jeden Baufortschritt genauestens informiert und bombardierten den Bunker kurz vor Fertigstellung (siehe Bild 5).

Moustafa Abbas

Service