Schulzentrum Grenzstraße Bremen

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Unvergessliche Geschichten, unvergessliche Emotionen

Zeitzeugen des Holocausts waren am 21. Dezember 2018 im Schulzentrum Grenzstraße zu Gast. Der Zeitzeuge Albrecht Weinberg und Ruth Berger, die Tochter seiner Cousine Inge Berger, besuchten Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums Wirtschaft.

Beide berichteten uns über Erlebnisse und haben uns eine wichtige Botschaft zum Thema Holocaust überbracht. Die Worte dieser beiden Menschen prägen uns Schülerinnen und Schüler wahrscheinlich für das ganze Leben und dies ist sehr wichtig für uns und die nächste Generation, denn es ist unsere Zukunft.

Ruth berichtete von ihrer Mutter Inge und ihrer Tochter Elisa. Elisa wollte von der Großmutter wissen, wie sie denn den Großvater kennengelernt hatte. Diese Liebesgeschichte wurde von der Enkelin, Ruths Tochter in einem Buch festgehalten, welches sich „Rosen in einem verbotenen Garten“ nennt. Die Hauptperson dieser Geschichte ist Inge Katz und sie ist das junge Mädchen, welches zusammen mit ihren Eltern und ihrer Familie in Bremen lebt und mit ihrer Cousine Ruth durch dick und dünn geht. Leider wurde ihre Cousine mit ihrer Familie deportiert und getötet.

Die Cousine von Inge Katz trug den Namen Ruth und Inge hat sie so sehr geliebt, dass sie auch später ihre Tochter nach ihrer Cousine benannte. Ruth war wortwörtlich der ausschlaggebende Punkt, um überhaupt dieses Buch weiterzuschreiben. Denn Inge Katz war am Anfang strikt dagegen ihre Erlebnisse aufschreiben zu lassen. Erst als die Enkelin Elise Garibaldi ihrer Großmutter die ersten Zeilen vorlas, spürte Oma Inge, dass sie sich wieder in ihrer Kindheit befand und sie leicht und glücklich ausatmete, ohne dass es schmerzte. Und von diesem Tag an begann Inge Katz ihre komplette Geschichte zu erzählen und ihre Enkelin schrieb mit, während Inge Katz, ihre Tochter und Enkelin am Tisch saßen, Kekse aßen und Tee tranken.

Nachdem damals die Cousine Ruth deportiert wurde, hatte sie das Gefühl ein Stück ihrer Seele wäre mit Ruth gegangen und so trauerte sie sehr lange um ihre Cousine. Nach eineinhalb Jahren wurde dann auch Inge zusammen mit ihrer Familie in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie später den tschechischen Juden Schmuel Berger kennenlernte. Sie verliebten sich ineinander. Kurze Zeit später wurde Schmuel nach Auschwitz deportiert und wieder verlor sie einen geliebten Menschen. Schmuel versuchte ihr in diesem Leid noch in den letzten Sekunden seine Liebe zu beweisen und so ging er in einen Garten, den er nicht betreten durfte, weil er den SS-Männern gehörte und pflückte unter großer Gefahr rote Rosen für Inge und rannte zum Zaun um ihr die letzte Erinnerung persönlich zu geben.

Nach dem Krieg und der Befreiung kehrte die Familie zurück nach Bremen. Dort wartete Inge auf Schmuel, von dem sie seit dem letzten Treffen nichts mehr gehört hatte. Aber Schmuel lebte. Er kam nicht nach Tagen und Monaten, sondern nach Jahren. Die beiden heirateten und wanderten in den 50er Jahren in die USA aus, wo sie über 60 Jahre glücklich zusammen lebten. Die Rosen hat Inge immer noch und sie gaben dem Buch schließlich auch seinen Namen.

Albrecht Weinberg, 93 Jahre alt, ein Cousin von Inge und Überlebender des Holocausts, war auch mit dabei. Er erzählte uns, dass er 1925 in Ostfriesland geboren worden war und 1936 für drei Jahre auf einen Hof verschleppt wurde, um dort zusammen mit seiner Schwester Zwangsarbeit zu verrichten. Zu der Zeit war er 13 Jahre alt. Von der Außenwelt und der Politik bekam er nicht viel mit, bis er nach Auschwitz deportiert wurde. Dort musste er zusammen mit seiner Schwester unter unmenschlichen Verhältnissen leben. Wer dort zu schwach war, wurde vergast oder erschossen. Sie bekamen nur sehr wenig Essen, eine Schüssel Brühe, die geschmacklos war und die Schüsseln wurden gleichzeitig für die Notdurft verwendet. Gab es Schlachten, die Deutschland nicht gewann, so wurden aus Frust unschuldige Menschen getötet. Am Ende des Krieges lag Herr Weinberg als Lebender zwischen Toten und er versteht bis heute nicht, wie er dies überlebt hat. Er war in drei verschiedenen Konzentrationslagern und hat alle drei überlebt. Er fand seine Schwester wieder, alle anderen Familienmitglieder waren ermordet worden. Beide wanderten in die Vereinigten Staaten aus. Erst jetzt im hohen Alter kehrte er nach Deutschland zurück. Hut ab vor diesem Mann.

Alejna A.

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